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Interview: GROZA über das neue Album "The Redemptive End" & vieles mehr



Eine anständige Black-Metal-Band braucht heutzutage kein klassisches Corpse Paint mehr, um in der Szene ernstgenommen zu werden. Schwarze Kapuzen verhüllen die Gesichter der Band und das ist bewusst so inszeniert. Die Musik steht im Vordergrund, nicht die Personen dahinter, wie uns auch Gründungsmitglied und Mastermind P.G. im Interview erzählte.

GROZA wurde ursprünglich als Ein-Mann-Projekt gegründet aber entwickelte sich schon kurze Zeit später zu einer festen, vierköpfigen Einheit, die 2018 über Art of Propaganda mit "Unified In Void" ihr Debüt zum Besten gaben. Mit ihrem zweiten Album "The Redemptive End" legen sie noch eins oben drauf und veröffentlichen ein dunkelschwarzes Black-Metal-Meisterwerk, das als ein bis ins kleinste Detail ausgefeiltes Gesamtkunstwerk zu betrachten ist. Die Texte sind düster, depressiv und stark mythologisch angehaucht. Der Sound ist treibend, atmosphärisch und geht durch Mark und Bein. Wir haben mit P.G. über das neue Album, den Videodreh und einiges mehr gesprochen...

J.D.W.E.: Ich würd bei diesem Interview, da wir dieses Mal ja kein Problem wegen dem Platz haben, gern ganz vorne beginnen. Kannst du mir etwas über eure Bandgründung erzählen und wie ihr zusammengefunden habt? Am Anfang hast du ja alles als One-Man-Projekt gemacht... Mittlerweile arbeitet ihr ja mit einem festen Line-up.

P.G.: Du hast es schon ganz gut umrissen. Ich habe das Projekt GROZA im Frühjahr 2016 als Soloprojekt gestartet, um unter diesem Namen hauptsächlich Riffs und Songideen zu sammeln, die nicht zu meiner damaligen Band gepasst haben. Als es dann um diese besagte Band Ende 2017 ruhiger wurde, habe ich den Beschluss gefasst, all dieses Material, das ich angesammelt hatte, auch live im Bandkontext zu spielen, anstatt es auf meiner Festplatte verstauben zu lassen. Also habe ich die Songs Musikern gezeigt, mit denen ich vorher schon in anderen Bands gespielt hatte oder die ich anderweitig aus der lokalen Szene kannte. Einige hatten Lust einzusteigen und so hat sich das erste GROZA-Line-up ergeben. Dieses Line-up ist auch weitestgehend bis heute erhalten geblieben, nur unseren Drummer haben wir Anfang 2019 ausgetauscht, weil uns der ursprüngliche Schlagzeuger aus privaten Gründen verlassen hat.

J.D.W.E.: Kannst du dich noch auf den ausschlaggebenden Moment erinnern, wo du den Bandnamen GROZA fixiert hast? Und wie bist du drauf gekommen?

P.G.: Ja, an den Moment kann ich mich gut erinnern. Das Projekt GROZA ist ja maßgeblich aus meiner Faszination für die Musik der Band MGLA im Grunde als Worship-Projekt entstanden. Der Name ist hier natürlich eine Referenz und eine Hommage an deren erstes Album. Auf den Namen bin ich über eine Setlist gestoßen, die ich von M., MGLA’s Sänger, bei ihrem Konzert auf dem "Dark Easter Metal Meeting 2016" erhalten habe. Dieses Konzert hat mich so derartig bewegt und innerlich aufgekratzt, dass es den finalen Impuls gegeben hat, der mich dazu getrieben hat, ein eigenes Projekt in diesem Stil zu starten.


J.D.W.E.: Und dann hast du direkt losgelegt?

P.G.: Ja, ich habe dann in derselben Nacht die ersten Riffs zuhause aufgenommen und die ersten Dateien dann einfach im Affekt nach dem Wort auf der Setlist, nämlich "GROZA" benannt. Erst nachdem ich später einige Recherchen zur Bedeutung des Wortes betrieben hatte, habe ich mich dann dazu entschlossen, den Namen für das Projekt zu behalten.





J.D.W.E.: Euer Debüt „Unified in Void“ erschien 2018. Bist du mit den Reaktionen zufrieden gewesen?

P.G.: Ich habe überhaupt keine Reaktion erwartet, deswegen bin ich auch nicht besonders zufrieden oder unzufrieden. Ich war mehr überrascht, dass es überhaupt Reaktionen gab. Aber natürlich ist es im Nachhinein betrachtet ein Bonus, wenn es Leute gibt, die Gefallen an dem Album gefunden haben. Aber am Ende mache ich die Musik lediglich für mich selbst, sodass die Reaktionen auch eher zweitranging für mich sind.

J.D.W.E.: Euer neues Studioalbum trägt den Titel "The Redemptive End". An welches „erlösende Ende“ hast du dabei gedacht als ihr den Albumtitel festgelegt habt?

P.G.: Der Albumtitel ist eine Umschreibung für Suizid, welcher ein zentrales lyrisches Thema des Albums darstellt.

J.D.W.E.: Das Album startet mit dem zweiteiligen Epos "Sunken in Styx", welches in Part II seine volle Größe entfaltet und einen mehr als gelungenen und mächtigen Start ins neue Album darstellt. Die Styx ist in der griechischen Mythologie ein Gewässer der Unterwelt, sowie eine Flussgöttin. Der Fluss zeichnet die Grenze zwischen dem Reich der Lebenden und der Toten. Kannst du mir etwas über den Entstehungsprozess des Liedes erzählen?

P.G.: Der Song ist bereits Mitte 2019 entstanden und ist damit mit dem Titeltrack einer der beiden ältesten Songs auf der Platte. Zum Entstehungsprozess kann ich mich gerade an nichts Erzählenswertes erinnern, außer vielleicht, dass wir mit dem Song vorsätzlich versucht haben, einen Album-/Live-Opener zu schreiben. Diese Perspektive hatten wir beim Debütalbum im Gegensatz dazu nicht. Auf der neuen Platte haben wir hier viel mehr im Hinblick auf den Kontext im Album gearbeitet und die Songs damit auch immer in ihrem Verhältnis zum Album als Ganzes betrachtet. Das Debütalbum ist dahingegen eher eine Sammlung an einzelnen Songs, die weniger zusammenhängen, sowohl textlich als auch musikalisch.



J.D.W.E.: Auch der Song "Nil" behandelt Inhalte der griechischen Mythologie. Interessierst du dich persönlich sehr für Mythologie?

P.G.: Ja, das interessiert mich schon. Ich finde oft Bilder in der Mythologie, die meine Texte gut erweitern und vervollständigen, deswegen findet man hier öfter Referenzen. Viele der mythologischen Referenzen stammen auch von D.M., einem alten Freund von mir, der zwar nicht offiziell Teil der Band ist, aber dennoch auf beiden Alben Textfragmente beigesteuert hat.

J.D.W.E.: Weiter geht es mit "Elegance of Irony". Wenn ich mich entscheiden müsste, würd ich den Song als einen meiner Favoriten des Albums bezeichnen, obwohl ich das Album viel mehr als Gesamtkunstwerk sehe. Zu diesem Song habt ihr auch ein wirklich tolles Video gedreht, das mich sehr staunen hat lassen. Wer ist für das Video verantwortlich? Wie war der Videodreh und wo habt ihr den Clip aufgenommen?

P.G.: Für das Video sind hauptsächlich Oliver König (seines Zeichens Bassist bei FIRTAN) und Klara Bachmair von Mbience Visuals verantwortlich gewesen. Die beiden haben auf Basis meiner Grundidee das Konzept und die Handlung weiterentwickelt, die Locations vorgeschlagen, Schauspieler gecastet, Kostüme gefertigt etc. Wir waren lediglich als Darsteller involviert. Der Dreh hat sich über etwas mehr als drei Tage erstreckt und fand teils im Salzburger Land (Bluntautal und Almsee) und teils in den Schwandorfer Felsenkellern statt.

J.D.W.E.: Wer hat die tollen Masken im Video gestaltet?

P.G.: Die Masken und Kostüme der Gestalten im Video wurden von Klara Bachmair und Emilia Schatzl, die auch beim Dreh assistiert hat, entworfen und selbst gestaltet.

J.D.W.E.: Vor allem auch der Text des Liedes hat mir sehr gut gefallen. Schreibst du alle Lyrics selbst?

P.G.: Die meisten Texte stammen von mir, manche Teile stammen aber auch aus der Zusammenarbeit mit D.M., wie bereits vorher erwähnt.

J.D.W.E.: Welche Bands würdest du sagen haben dich in deinem Schaffen am meisten beeinflusst?

P.G.: Unmittelbar für dieses Projekt sind natürlich Bands wie MGLA, UADA oder DARKTHRONE ausschlaggebende Einflüsse gewesen. Es gibt aber noch zahlreiche weitere Bands, die mich seit jeher musikalisch begleiten und beeinflussen, zu viele um sie hier alle zu nennen.

J.D.W.E.: In euer neues Album fließen sehr viele brandaktuelle Geschehnisse – wie natürlich die immer noch andauernde Pandemie – mit ein. Erzählt mir doch ein bisschen davon, wie ihr mit dem ganzen Thema umgeht? Was war für euch das schlimmste an der ganzen Covid-19-Thematik?

P.G.: Die Pandemie hat uns genau dann getroffen, als wir ohnehin an der Produktion der Platte gearbeitet haben. Wir hatten also kaum Gigs geplant und hatten somit auch relativ wenig Einschränkungen durch die Situation erlebt. Das Schlimmste an der Situation war dann allerdings, dass wir diverse logistische Probleme bei der Veröffentlichung des Albums hatten. Aufgrund der Situation sind die Presswerke überlastet und wir mussten den Release in der Folge mehrmals verschieben. Sonst hätten wir das Album schon um einiges früher veröffentlichen können und mussten nun so wohl oder übel warten.

J.D.W.E.: Und gibt es vielleicht sogar etwas Positives, das ihr dem Ganzen abgewinnen konntet? Manche lernten ja erst in dieser Zeit, was es heißt sich mich sich selbst zu beschäftigen oder lernten zum ersten Mal den Urlaub im eigenen Lande schätzen...

P.G.: Ja, die Pandemie hatte für die Produktion des Albums auch etwas Positives, so skurril das auch klingen mag. Dadurch, dass nämlich sämtliche "Ablenkungen" wie Gigs oder Ähnliches weggefallen sind, hat das für uns die Möglichkeit geschaffen, und zu 100% auf die Produktion des Albums zu fokussieren.

J.D.W.E.: Abgesehen vom Album finde ich auch eure aktuellen Promotion-Bilder wirklich sehr gelungen. Wo habt ihr sie aufgenommen? Die Gegend ist auf den Bildern wirklich auch sehr beeindruckend.

P.G.: Die Fotos sind allesamt an einem Tag im Frühjahr diesen Jahres am Eibsee am Fuße der Zugspitze entstanden. Verantwortlich für die Bilder ist Anne Catherine Swallow von AgonyAbsinthe, die hier wirklich tolle Arbeit geleistet hat, ich könnte nicht zufriedener mit den Bildern sein.



J.D.W.E.: Ihr versucht die Band und euer Privatleben strikt zu trennen und gebt nur wenig von euch privat preis...

P.G.: Ich kann das Interesse verstehen, aber die Idee, sehr persönlichen Fragen zu beantworten, widerstrebt dem Grundkonzept der Band. Wir halten uns absichtlich anonym, nutzen Pseudonyme und verschleiern unsere Gesichter genau aus dem Grund, unsere Personen aus der Band rauszuhalten und den Fokus allein auf unserer Musik stehen zu lassen.

J.D.W.E.: Wie werden die nächsten Monate bei euch aussehen?

P.G.: Wir haben noch ein Paar Konzerte für den Rest des Jahres geplant und freuen uns ungemein, die neuen Songs nun auch Live präsentieren zu können. Außerdem arbeiten wir bereits an neuem Material für das nächste Album.


J.D.W.E.: Ich bedanke mich und wünsch euch nur das Beste!



Text: Manuela Ausserhofer

Fotos: Anne Catherine Swallow (AgonyAbsinthe)

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