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Interview: THE BRUTE über "Brute:One", die Schweiz, ein besonderes Blind Date & vieles mehr




Hinter THE BRUTE: verbirgt sich der Wahl-Schweizer Daniel Gierke, der zwar nun am 19.11.21 mit "Brute:One" das Debütalbum dieses Projektes veröffentlicht hat, der aber musikalisch absolut kein Neuling mehr ist. THE BRUTE: steht für besonders ausgefeilten und eingängigen Electro/Synth-Pop, der mit den ganz großen der Szene wie Depeche Mode mithalten kann. Neben dem Album produzierte das Multitalent auch noch einen musikalischen Kurzfilm namens "Momentum To Die". Wir haben mit dem sympathischen Künstler gesprochen... J.D.W.E.: Legen wir doch ganz gemütlich los. Daniel, wie geht es dir und wie war dein Tag bis jetzt? Daniel Gierke: Lieben Dank für die Nachfrage, Manuela. Zur Zeit passieren viele Dinge. Die nimmt man einfach mal mit einem positiven Gefühl mit. J.D.W.E.: Und auch bei den Fragen möchte ich gerne ganz vorne loslegen. Kannst du mir etwas über die Bandgründung erzählen? Wie hat alles angefangen mit The Brute:? Daniel Gierke: Angefangen hat alles wenige Tage nach Silvester 2018 im "Teatro Real", der Oper von Madrid, bei einem Blind Date, das lustiger Weise noch meine Exfreundin arrangierte. Wie das so ist, lernt man sich kennen und erzählt etwas über sich. Die Dame fragte dann irgendwann, ob man die Musik auch hören könne und warum ich es nicht intensiver verfolge, wenn es so offensichtlich eines der Dinge ist, die mich ausmachen. Das ging mir nicht aus dem Kopf und zurück im Studio begann ich darauf hin "And I Want You..." professionell aufzunehmen. In dem Song geht es genau um diesen Moment der inneren Leere, dieses innere tot sein. Und plötzlich ist da ein vollkommen unerwarteter Lichtstrahl, der alles verändert. In diesem Fall die Dame in den blauen Schuhen. J.D.W.E.: Du hast ja auch vor The Brute: schon Musik gemacht. Erzähl uns bitte mehr darüber. Daniel Gierke: Die Musikbegeisterung fing schon im Kindesalter an, als meine Großeltern mich mit zu klassischen Konzerten nahmen. 1990, kurz nach dem Mauerfall, war dann die erste Reise direkt nach London, dem Epizentrum meiner damaligen musikalischen Helden, um Inspiration zu tanken. Wieder zurück kratzte ich das letzte Geld für ein erstes Keyboard zusammen und gründete eine Schülerband mit zwei anderen Kameraden. Das war eher Gaudi und nach der Schule habe ich das alleine weiterverfolgt. Damals noch ohne Gesang, nur instrumental ergab sich sogar die Möglichkeit eines Gigs in einem Club. Wenige Tage später traf ich bei einer Fernsehsendung des MDR einen Gleichgesinnten, der gerne singen wollte und da ich eh eine Woche später wieder einen Auftritt hatte, taten wir uns kurzerhand zusammen und in nur einer Woche wurden Texte und Gesang geschrieben und einstudiert für Songs, die gar nicht dafür gedacht waren. Es wirkte auch schon stark improvisiert. Aber wie es so geht, das Publikum war begeistert und eine Woche später durften wir das wiederholen. Da haben wir dann auch noch die zwei restlichen Bandkollegen kennengelernt. Wir hatten uns damals sehr dem Sound der Achtziger verschrieben, was zu Zeiten von Tekkno und Britpop aber nicht wirklich jemanden interessierte. So ist es dann 2002 auseinander gegangen. Über die Jahre haben sich dann einige Dutzend Songs angehäuft. J.D.W.E.: Und wie ist der Bandname The Brute: entstanden? Warum findest Du in gerade richtig für dein Projekt? Daniel Gierke: Haha, schon mit der Band taten wir uns schwer einen stimmigen Bandnamen zu finden. So ist auch der Name für das Projekt ungeplant entstanden. Ich saß also Anfang 2018 in meinem Studio, angestachelt von dieser spanischen Schönheit und grübelt über die ersten Songs und natürlich über einen Namen zu dem Projekt in der Hoffnung, es würde sich wieder eine Band zusammenfinden. Wie ich da so mit leerem Kopf saß, lief im Fernsehen einer der Lieblingsfilme meiner Mutter mit Clint Eastwood, ein Western in dem drei Protagonisten namens "The Good", "The Bad" und "The Brute" auftraten. Und da war die Idee: In den Projekt soll es ungeschönt um die Wahrheit gehen. Dinge, die mich berühren oder ich selbst erlebte. Wenn man so will eine Katharsis. J.D.W.E.: Wie sieht dein Leben neben der Musik aus? Daniel Gierke: Seit fast 15 Jahren lebe ich in meiner Wahlheimat Schweiz und habe hier seit langem ein eigenes Unternehmen im Headhunting aufgebaut, um Menschen in ihrer Karriere zu beraten, ihnen bei der Jobsuche zu helfen und Firmen zu unterstützen, brisante und weniger brisante Vakanzen mit geeigneten Kandidaten zu besetzen. Das mache ich mit Leidenschaft. J.D.W.E.: Welche Künstler hörst du privat am liebsten und welche Acts haben dich musikalisch am meisten beeinflusst? Daniel Gierke: Ich muss zugeben, dass ich in den letzten Jahren den Musikkonsum stark zurückfuhr. Da war immer diese fixe Idee unbewusst Melodien von anderen zu übernehmen. Witzigerweise höre ich selbst nur weniger elektronische Musik, auch wenn das meine Leidenschaft ist, sondern mag sehr unterschiedliche Sachen, die kaum unter einen Hut zu gehen scheinen wie Duffy, oder Musik der Sechziger wie Matt Monroe und Elvis. Ich liebe Richard Wagner und den Sound von Oasis, die mich musikalisch genau so beeinflussen wie meine Helden aus den Achtzigern wie Vince Clarke, INXS, Kraftwerk und natürlich Depeche Mode.

J.D.W.E.: Deine Stimme ist herausragend und ich musste öfter mal an Dave Gahan denken als ich dein Album das erste Mal gehört habe. Wie trainierst du deine Stimme? Daniel Gierke: Gar nicht. Okay. Im Ernst. Ich hab noch nie Gesangsunterricht genommen (sollte ich vielleicht endlich) und wenn ich die Songs aufnehme, probe ich sie vorher nie. Es kommt ganz automatisch und während ich einsinge, formen sich einige Details der Melodie und der Intonierung von alleine. In der Regel mache ich auch nie viele Takes und oft sind es die ersten Takes, die dann im Song zu hören sind. Die wirken etwas rauer, nicht ganz so glatt, etwas ehrlicher und transportieren die Botschaft der Lieder authentisch. Ob es klappt entscheidet der Hörer. J.D.W.E.: Das kürzlich veröffentlichte Video zu "Driving To You" ist mehr als nur gelungen. Kannst du mir etwas über den Entstehungsprozess des Videos erzählen? Wie weit warst du bei der Produktion involviert? Daniel Gierke: Nun letztlich ist alles, was Du zu The Brute: wahrnimmst aus meiner Hand. Nicht nur die Songs und Texte, sondern auch die Grafiken, die Cover und auch die Videos. Ich habe das Glück mit zwei außergewöhnlichen Photographen und Kameramännern zusammenarbeiten zu können; Andreas und Manuel. Wie verstehen uns blind. Das macht enorm viel aus. Als wir 2018 die Aufnahmen zu dem Video vorbereiteten, sollte es eigentlich eine längere Version, quasi ein Maxi-Video als Hommage zu den alten Filmen der Sechziger, werden. Das bot sich schon daher an, da nur einen Steinwurf von mir entfernt, damals "James Bond Goldfinger" hier in den Bergen gedreht wurde. Sogar die Schweizer Armee hatte das Projekt spontan unterstützt. Am letzten Drehtag sollte dann der Showdown gefilmt werden und wie ich so in der Pause bei Kaffee da stand, sah ich die alte Festung, bin spontan hin, habe angeklopft und dargelegt, was wir hier gerade treiben und Du glaubst es nicht, die fragten nur wie sie helfen können. Und so konnten wir dann in der Festung dem Ganzen noch ein düsteres Ende verpassen. Natürlich nicht an militärisch relevanten Punkten, aber es war eine unglaubliche Erfahrung. J.D.W.E.: Und abgesehen vom Video ist "Driving To You" eine bombastische Single, die man nicht mehr so schnell aus dem Kopf bekommt. Kannst du mir etwas über den Inhalt und die Entstehung des Liedes erzählen? Daniel Gierke: Der Song selbst ist 2005 kurz nach meiner ersten Scheidung entstanden und klingt fast genau so, wie er damals schon geschrieben wurde. Bezeichnender Weise geht es in dem Song nach der Suche zu sich selbst. Wobei in den Lyrics das innere ich getauscht wurde mit einer dritten Person, absichtlich vollkommen offen, ob eine Frau oder eine höhere Gestalt oder sonst etwas. Natürlich hätte ich ihn gerne schon vor 16 Jahren veröffentlicht. Aber wer weiß wozu es gut war, dass es einige Tage länger dauerte. J.D.W.E.: Wie persönlich sind deine Lieder? Daniel Gierke: Sehr. In der Regel erzählen sie sehr persönliche, teils dramatische Ereignisse aus meinem Leben oder Dinge, die mir mal so richtig unter den Nägeln brennen wie "Absolute Disgrace", das ja eher ein Statement zur Politik ist. J.D.W.E.: Persönlich hat mich auch die gemeinsame Single "Rain" mit Rachel Delgado fasziniert. Ich liebe die Harmonie, die ihr beide gemeinsam ausstrahlt. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit? Daniel Gierke: Rachel hat wohl mal auf YouTube ein Video von mir entdeckt. Das war schon 2018 und entpuppte sich als eine der ersten Liebhaber meiner Musik. Irgendwann kamen wir ins Gespräch und sie erzählte von ihrer Musik und fragte spontan, ob sie "Rain" covern dürfe. "Wow", dachte ich. Du bist vollkommen unbekannt und bekommst so eine Anfrage. Einige Wochen später spielte sie mir ihre Version vor. Etwas moderner und poppig. Sofort rief ich sie an und meinte nur, dass sie mit ihrer Stimme eigentlich eine ganz andere Musik und einen ganz anderen Gesang machen sollte. Dann fing sie quer durchs Telefon an den Song so zu singen wie im Original und die Idee des Duetts war geboren. Quasi eine transatlantische Recording Session, die sie teils live auf Facebook streamte. Ihren Part hatte sie in den USA aufgenommen, hier wurde es dann gemischt und final in den Abbey Road Studios in London bearbeitet von niemand geringeren als Simon Gibson, der dem geneigten Zuhörer ggf. als Master Engineer einiger der letzten Depeche-Mode-Alben bekannt ist.

J.D.W.E.: Gibt es Acts/Künstler, mit denen du in Zukunft unbedingt einmal zusammenarbeiten möchtest? Daniel Gierke: Oh ja! Hättest Du mich vor einigen Jahren gefragt, wäre die Antwort unweigerlich Alan Wilder gewesen. Heute bin ich mir nicht sicher, ob das wirklich ein erstrebenswerter Wunsch ist. Wenn gleich, cool wäre es schon, oder? Reizen würde mich allerdings wiederum ein Duett. Adele wäre der Hammer. Nur die singt mich dann an die Wand, haha. Aber so etwas in der Richtung hätte schon seinen Reiz. J.D.W.E.: Einer meiner Lieblingssongs des neuen Albums ist mitunter "Lonesome Hero". Kannst du mir mehr über diesen Song erzählen? Daniel Gierke: Lustige Geschichte. Du erinnerst Dich an das Blind Date in Madrid? Genau. So wie ich bin dachte ich natürlich, da könnte mehr daraus werden. Kam dann ganz anders. Also saß ich irgendwo in einem Club in Madrid sturzbetrunken und hatte ein Date mit dem Selbstmitleid. Um mich herum einige Mädels, die mich ständig zum Tanzen bewegen wollten. Ich suhlte mich aber lieber im Weltenschmerz und fing an fürchterlich über mich zu lachen. So entstanden die Zeilen von "Lonesome Hero". Sich eben nicht immer all zu ernst zu nehmen und auch einfach mal den Moment zu nehmen, wie er ist. Einer der wenigen Songs, wo der Text vor der Melodie da war. J.D.W.E.: Und gibt es einen Song, der dir persönlich besonders viel bedeutet und wenn ja, warum? Daniel Gierke: Ja, den gibt es. Das ist "Lost". Er beschreibt einen der dunkelsten Momente, die ich erlebte und die man niemanden wünscht. Es brauchte Jahre, um selbst diese wenigen Zeilen zu schreiben und nicht jedes mal den Moment erneut durchleben zu müssen. Zu sehen wie jemand mehrmals hintereinander Suizid begehen möchte, ist erschreckend, Da fährt man auf Autopilot. Ich konnte es in letzte Sekunde verhindern. Der Person geht es gut. Gedankt wurde es nicht. Ganz im Gegenteil. Man war dann auf einmal Ziel eines erweiterten Suizidversuches. Auch das konnte abgewehrt werden. Aber es bleibt ein Teil von dir. J.D.W.E.: "Brute : One" ist gerade erst erschienen und ich hab mitbekommen, dass du schon an Stücken für das nächste Album arbeitest? Kommst du gut voran? Daniel Gierke: Was Du so hörst. Die Aufmerksamkeit zu dem Debütalbum ist doch wesentlich größer als vermutet und natürlich wollen wir zeitnah nachlegen. Und, sobald es die Umstände erlauben, auch live auftreten. Die neun Songs auf dem Album sind da etwas wenig dafür. In der Schublade liegt so viel Material, dass es schnell ging, die Tracklist und die Demos vorzubereiten. Wir planen eine neue Single samt Video für März 2022, eine im Sommer und dann im Spätsommer das zweite Album. Einen Titel haben wir noch nicht. "Two" wäre logisch, haha. J.D.W.E.: Wie lange hast du insgesamt am neuen Album gearbeitet? Daniel Gierke: Genaugenommen waren es 28 Jahre. Du erwähntest "Rain" der Song ist so alt und wurde von der Band damals nur zwei mal live aufgeführt und ansonsten gar nicht berücksichtigt. Andere Tracks sind nicht ganz so alt und einige sind nagelneu. Als es dann hieß, jetzt muss das Album her, waren es etwa 1,5 Jahre. Es ist einfach eine Frage der Zeit gewesen. Zum einen bin ich als Unternehmer in die Firma 50-60h pro Woche eingebunden und kann eben nur nachts oder am Wochenende daran arbeiten. Zum andern mache ich eben alles selbst und viele Techniken bei den Aufnahmen oder bei der Videobearbeitung musst ich mir erst beibringen. Hoffen wir also, dass der Zeitplan von zehn Monaten bist zum nächsten Album wirklich eingehalten werden kann. J.D.W.E.: Kommen wir aber nun zu deinem musikalischen Kurzfilm "Momentum To Die", den ich noch nicht gesehen hab. Bitte verrat mir mehr darüber. Was können wir darin erwarten und wie bist du auf die Idee gekommen einen Kurzfilm zu produzieren? Daniel Gierke: Die Idee zu dem Video geht genau genommen auch in die Kindheit zurück. Neben der Musik hatten mich vor allem die Filme eines berühmten Leinwand-Agenten begeistert. Wie erwähnt, ist das Ganze letztlich eher durch Zufall entstanden und sollte nur kurze Szenen für das Video "Driving To You" werden. Als dann die Innenaufnahmen gemacht wurden, wurde es einfach zu viel und ich nutzte einige Aufnahmen für das Video "Lonesome Hero", irgendwie ja auch passend und für die Gesangsaufnahmen zu "Driving To You" haben wir dann einfach neue gedreht. Es ist eine Art Roadmovie. Der Bösewicht entführt eine Wissenschaftlerin des Cern, um die Weltherrschaft an sich zu reißen. Die ist ausgerechnet die verflossene Liebe des Hauptprotagonisten, dem Helden. Seines Zeichens Agent für eine geheime Organisation fängt der Held die beiden ab und stellt sie dann in dem Geheimversteck oben in den Bergen. Dabei geht die Jagt durch traumhaft schöne Landschaften entlang am Vierwaldstätter See bis hoch zu den Pässen und beängstigend engen und kurvenreichen Straßen. Der Plot wird wohl keinen Oscar gewinnen. Es sollten ja eigentlich nur schöne Bilder mit einer kleinen Geschichte komprimiert auf vier Minuten Musik mit kurzen, aussagestarken Sequenzen werden. Dafür haben wir dann in den Vorbereitungen die Verrücktheit vollkommen auf die Spitze getrieben. Natürlich brauchte es eine Verfolgungsjagd mit einem Aston Martin, der noch die selbe Farbe hatte wie in den Film "Casino Royal". Einer meiner Freunde, Hilmar, hatte immer dieses Charaktergesicht und mimte den Bösewicht, eine Modell Agentur vermittelte dann Kimia, ein absoluter Glücksgriff, die für uns eine gewisse Ähnlichkeit mit Olga Kurlenkova hatte. Die Uhr und die Pistole mussten stimmen und ich bin sogar nach London zum selben Ausstatter geflogen, der Pierce Brosnan und Daniel Craig schon in ihrem cineastischen Agentenleben ausstatte und habe Hemden, Krawatten, Fliegen, Pullover etc. nachmachen lassen. Absolut verrückt. Einen kommerziellen Anreiz gab es zu dem Zeitpunkt noch gar nicht. Ich hatte noch nicht einmal einen Plattenvertrag und einfach gemacht, wozu mir der Sinn stand. Nach der Sichtung des Materials wurde dann schnell klar, das ist mehr als nur ein Video mit Überlänge, daraus kann man einen Kurzfilm machen. Gesagt, getan. J.D.W.E.: Du lebst in der Schweiz. Kannst du mir etwas über deine Heimat erzählen? Daniel Gierke: Gerade wenn man aus dem großen Kanton hierher kommt, so sagen die Schweizer scherzhaft zu Deutschland, bringt man einen Rucksack voller Hörensagen mit. Nichts davon ist wirklich wahr. Man ist überrascht, wie herzlich die Menschen einen aufnehmen. Damit meine ich gar nicht so sehr Zürich als Weltstadt, sondern die Zentralschweiz, wo ich lebe, und die Schweiz hier am See der Legende nach ihren Ursprung hat. Hier scheinen die Uhren wirklich langsamer zu laufen, die Menschen sind etwas konservativer, aber geradlinig und sehr herzlich. Besonders spannend ist, innerhalb 30 Minuten hat man das Gefühl in einem anderen Land zu sein. Wenn man im Sommer mit dem Motorrad über die Pässe braust, dauert es nur wenige Augenblicke und man ist im Tessin und kann diese italienisch geprägte Atmosphäre für eine Tasse Kaffee genießen und abends sitzt man wieder in Luzern bei Bier und Bratwurst. Und dann die Romandie. Traumhaft facettenreich und wunderschön. Ich kann mir nur schwer vorstellen, hier wegzugehen. Es ist eine echte Heimat geworden. J.D.W.E.: Wenn jemand noch nie in der Schweiz gewesen ist... Welchen Platz/Ort würdest du einem jeden ans Herz legen, den er sich unbedingt einmal ansehen/besuchen soll? Daniel Gierke: Zum einen ganz klar den Furkapass und der Gotthard, in der Schweiz ein echter Mythos. Alles was man an Sorgen als Rucksack mit sich trägt, wird angesichts der überwältigenden Macht der Berge und Demonstration von Ewigkeit irgendwie unbedeutend. Mann steht oben auf dem Berg und sieht hinunter in das Tessiner Tal. Manchmal bilde ich mir ein, gerade noch so das Mittelmeer riechen zu können. Was sich definitiv lohnt, ist Gruyères, sehr klein aber mit einem tollem Museum von H.R. Giger, dem Schöpfer von "Alien"! Ja, richtig gehört. "Alien" ist eine Schweizer Erfindung! J.D.W.E.: Wie werden die nächsten Monate bei dir aussehen? Hast du konkrete Pläne? Daniel Gierke: So ungefähr wie die letzten Monate von früh bis abends für die Firma da sein und danach bis nachts 2-3 Uhr im Studio sitzen. Das schlaucht zwar, aber andererseits gehört zu einem Ziel auch Arbeitsdisziplin. Das Ganze wird jetzt noch gespickt mit Live-Proben zusammen mit einer Band in Augsburg, die mich auf der Bühne unterstützen will. Die Videoplots werden schon erarbeitet. Und wir denken sogar darüber nach, das Thema mit dem Film von Album zu Album weiterzuführen. Also Fortsetzungen zu machen. Künftig aber dann nicht mehr als Stummfilm. Den Plot haben wir auch schon. Ob es zeitlich passen wird, da bin ich mir noch nicht ganz sicher. Auf alle Fälle volles Programm und weißt Du was, ich freu’ mich tierisch darauf.


Stichwort-Interview J.D.W.E.: Berge oder Meer? Daniel Gierke: Berge am Meer. Ich habe keine Präferenz. Ich liebe es hier oben in der Abgeschiedenheit der Berge zu leben und gehe gleichermaßen auf dem Meer auf. Man dürfte mich nie vor die Wahl stellen. Mein Vater war Seemann und nautische Konstruktion sowie die Geschichte der Entdeckung der Welt sind zwei frühe Hobbys von mir. J.D.W.E.: Buch oder Game? Daniel Gierke: Buch, sehr viele davon. Mit Games konnte ich noch nie viel anfangen und nutzte die Zeit am Computer eher um zu komponieren. J.D.W.E.: Hund oder Katze? Daniel Gierke: Katze. Hatte selbst über viele Jahre eine Katze. J.D.W.E.: Kaffee oder Tee? Daniel Gierke: Unentschieden. Nach zwei all morgendlichen Tassen Kaffee folgen zwei Kannen Tee über den Tag. J.D.W.E.: Bier oder Wein? Daniel Gierke: Auch hier unentschieden. Wohl typisch Waage. Für mich muss beides gehen ohne sich selbst Grenzen aufzuerlegen und beides bin ich; der Typ im Dinnerjacket und Weinglas gleichermaßen wie der Typ auf dem Motorrad in alter Lederjacke und Bierflasche. Interview: Manuela Ausserhofer Fotos: photoworkers.ch

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