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Review: HOLGER MUCH über ASP - "ENDLiCH" (Album)


An dieser Stelle möchten wir Dir eine ganz besondere Review zum neuen Album von ASP "ENDLiCH" präsentieren. Doch das Wort "Review" trifft es in diesem Fall nicht wirklich, denn der Text ist noch so viel mehr. Er ist voller Emotion und Gefühl. HOLGER MUCH ist nicht nur ein multitalentierter Künstler, er ist ein guter Freund von ASP und Fan der ersten Stunde. Er hat schon einige Male mit Asp Spreng zusammengearbeitet, sei es bei Buch- oder Musikprojekten. So singt ASP zum Beispiel auf seinem Stück "Tanz in den Tod" und Holger Much spielt die Flöte auf dem HERUMOR-Song "Der treue Troll" um nur ein paar zu nennen.

Begleite HOLGER MUCH auf seiner Reise durch die Welten von ASPs "ENDLiCH":



ENDLiCH:
Gedanken eines Wanderers durch die Jahre …

Die Welt ist im Wandel. 
Manchmal schnell, manchmal hinterhältig schleichend und oft genug nicht zum Guten. Soweit, so pessimistisch. 
Doch was mir stets Anker, Zuflucht und tröstlicher Halt war, um gleich so subjektiv weiterzumachen - denn dies ist ein zutiefst subjektiver Text - ist Musik. 

Die unvergleichliche Klangwelt der Band ASP hat für mich dabei seit jeher einen besonderen Stellenwert. Musiker, Bands, Lieder kommen, vermögen zu fesseln und verblassen wieder - nur ein paar wenige musikalische Schöpfer bleiben für immer. ASP gehören für mich dazu. Im Olymp wird es eng …

Ich bin das, was man einen Fan der ersten Stunde nennt, war von Anfang an fasziniert von dieser Mischung aus literarischen Texten, dunkelmelodischen Kompositionen und jener phantastischen Welt rund um den dunklen Turm und das geflügelte Wesen, das in seinen Schatten haust.

Nun ist mit "ENDLiCH" der letzte Teil des dem Schmetterlings-Zyklus nachgefolgten Fremder-Zyklus erschienen. Und es ist ein in jeder Hinsicht gewaltiges Werk. Natürlich ist die Aufmachung auch und gerade in Zeiten gedankenlosen Streamens  ein wahres Fest! Die Fotos von Heilemania, die kongeniale grafische Gestaltung von Pit Hammann.

Doch musikalisch wird selbst all das übertroffen. "ENDLiCH", das behaupte ich aus vollster und tiefster Überzeugung, gehört zu den Meister-Werken des Multitalents hinter ASP. Ich gestehe, ich schrieb zuerst "es ist das absolute Meisterwerk". Aber damit hätte ich den vielen wunderbaren Alben davor natürlich tiefes Unrecht getan.

ASP sind im Wandel. Kein Album klingt wie sein Vorgänger, stets sind neue musikalische Aspekte zu hören, stets klingen ASP anders … und das ist gut so. Denn nur wer den Mut aufbringt, aus alten Häuten zu schlüpfen, kann wachsen, nur wer wächst, bleibt. 

"ENDLiCH" ist hier keine Ausnahme, für mich persönlich aber vielleicht eines der mutigsten Alben, wenn nicht das mutigste Album in der mittlerweile langen Bandgeschichte. Denn "ENDLiCH" bildet für mich die wirklich perfekte Symbiose all dessen, womit ASP sich mir je über viele viele Jahre ins Herz krallten, und schafft es zudem, noch Neues hinzuzufügen und all das mit Leichtigkeit zu einem stimmigen, überwältigend Großen und Ganzen zu vereinen.

Da sind natürlich die hymnischen Melodien, die an Bildern und Bezügen so reichen Texte, da sind schmetterlingsflügelzarte akustische Momente, konterkariert aber von hartem brutalem Metall, da klingt es plötzlich nach guten altem Goth, um jäh einem stampfenden Bluesrock-Rhythmus Platz zu machen, der wiederum in schwelgerische, ach, Orchesterpassagen mündet. 

Überhaupt wurden bei "ENDLiCH" klanglich mit so vielen Instrumenten gezeichnet, mit breitestem Pinsel genauso wie mit feiner spitzer Feder, mit luftigen Aquarelllasuren genau so wie mit teerschwerer Farbe… Jedes Lied ein an Einzelheiten überreiches Bild, in dem es auch nach dem zehnten Mal Hören noch Dinge zu entdecken gibt, dort ein vorbeiflatternder Folk, hier orientalisch anmutende Sequenzen, dann schleicht sich eine unerwartete Harmonie ein, die einer Melodie hinterrücks eine neue Wendung gibt, an anderer Stelle eine unaufdringliche Reminiszenz an die frei atmende Wildheit der 70er. 
DAS ist Musik! 

Dudelsäcke werden von schweren Doom-Stiefeln vertrieben, nur um nachher, als märchenhafte Erinnerung an Asp Sprengs zauberisches Akkustik-Projekt "Herumor", wieder aufzuerstehen. Nicht nur die Texte erzählen, lassen träumen, auch die Instrumente und Klänge selbst erzählen, sind nicht nur Musik, sondern Mittel narrativen Ausdrucks. Hier klingt viel Neues an, das man bei ASP so in der Form nie gehört hat - und gleichzeitig ist es ASP pur!

Und dann beginnt "Tor"! Für mich die Krönung und Katharsis dieses an Vielfalt, Klangfarben und faszinierenden Momenten nicht zu überbietenden Werks. Dieses Lied ist für mich die Summe all dessen, was ASP ist - anspruchsvolles Kino für die Ohren! Hätte Peter Jackson Asp Sprengs Vision des dunklen Turms verfilmt - die Bilder hätten visuell die gleiche Wucht wie "Tor" sie klanglich hat, das einen mit dem letzten verklingenden Ton erschöpft und wund und erfüllt gleichzeitig zurücklässt, allein, während die Chöre noch lange im Geiste nachklingen … 

Text: Holger Much - Ein Freund, Ein Fan


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HIER kannst Du die Buchbesprechung zu HOLGER MUCHs "Das Licht im Dunkeln" nachlesen.

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