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Interview: 2 MINDS COLLIDE über "Marching With The Dead", Angst, Verlust, den Krieg & vieles mehr




Vor wenigen Tagen, genauer gesagt am 04.03.2022, erschien mit "Marching With The Dead" das dritte Album der Dark-Rock-Formation 2 MINDS COLLIDE, welches düsterer als seine beiden Vorgänger ist und erneut eine sehr wichtige Thematik aufgreift: Gezeigt werden die Gefahren und Schrecken, die mit dem aktuell immer wieder verstärkt aufflammenden Nationalismus einhergehen können. Frontmann Lias Schwarz erzählt dabei die Geschichte eines Mannes, der dem Ruf nach den Waffen folgt und dafür einen hohen Preis zahlen muss. Dabei blickt der Protagonist aus dem Niemandsland auf die Lebensereignisse, die dazu geführt haben, alles hinter sich zu lassen und dem Ruf des Krieges zu folgen.

Dass diese Thematik nun zum Zeitpunkt der Album-Veröffentlichung aufgrund des dramatischen Krieges in der Urkaine so stark vorherrschend ist, hätte die Formation niemals gedacht. Wir haben mit Lias Schwarz natürlich über das neue Album gesprochen, aber auch über die Pläne für die Zukunft, die Zusammenarbeit und Freundschaft mit ASP und vieles mehr. Aber lies am besten selbst!


J.D.W.E.: Legen wir doch ganz gemütlich los. Wie geht es euch und wie war euer Tag bis jetzt?

Lias Schwarz: Mir geht es gut soweit. Es war wieder ein sehr arbeitsreicher Tag heute. Doch das ist nichts Ungewöhnliches.


J.D.W.E.: Ihr plant für den 04.03.23 einen Gig in Saarbrücken. Euren ersten Gig nach rund drei Jahren. Was überwiegt in einem solchen Moment: die Vorfreude oder die Nervosität? Lias Schwarz: Ganz klar die Vorfreude. Doch leider dauert es noch ein Jahr bis dahin. Eigentlich sollte das Konzert ja am 05.03.2022 stattfinden und die Release-Show zu unserem neuen Album "Marching With The Dead" sein. Doch leider ist dieses Konzert auch wieder Corona zum Opfer gefallen.


J.D.W.E.: Plant ihr noch weitere Live-Auftritte mit dem neuen Material oder vielleicht sogar eine eigene Tour?

Lias Schwarz: Eine Woche nach diesem Konzert spielen wir mit BURN in Münster. Leider ist aktuell keine Tour geplant. Das war wegen Corona leider nicht zu bewerkstelligen. Doch wir arbeiten definitiv an neuen Terminen.


J.D.W.E.: Auf welchen Song vom neuen Album freut ihr euch am meisten ihn das erste Mal live zu spielen?

Lias Schwarz: Ich freue mich vor allem auf "No Man’s Land". Der Song ist extrem facettenreich, spiegelt am meisten die Stimmung des Albums wider und bietet Platz für etwas Theater auf der Bühne.

J.D.W.E.: "Blood Red Wine" ist nicht nur einer meiner Lieblingssongs des neuen Albums, ihr habt euch für diesen Song auch mehr als nur hochkarätige Unterstützung geholt und den Song gemeinsam mit ASP aufgenommen. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Lias Schwarz: Wir hatten in den vergangenen Jahren schon einige Zusammenarbeiten mit ASP und durften auch 2020 die "Kosmonautilus"-Tour als Special Guest begleiten. Dort haben wir auch unser letztes Konzert gespielt.


J.D.W.E.: Und du bist ja auch schon öfter mit ASP gemeinsam auf der Bühne gestanden...

Lias Schwarz: Asp und ich sind inzwischen schon einige Jahre befreundet. Mittlerweile spiele ich ja sogar in der ASP-Liveband als Bassist. Die Idee für eine Kooperation auf einem Two Minds Collide Album kam bei einem Bierchen nach der Tour. Da wir mit dem Cover von "Tintakel" und dem Featuring "Age Of The Hurricanes" schon zweimal auf ASP-Alben vertreten sind, dachten wir, dass es umgekehrt ja auch mal ganz schön wäre.





J.D.W.E.: Da hast Du vollkommen recht. Gibt es einen Künstler (oder eine Band) mit der ihr in Zukunft unbedingt einmal zusammenarbeiten möchtet?

Lias Schwarz: Ich würde sehr gerne mal mit Muse zusammenarbeiten. Doch das wird leider, mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit, nicht passieren.


J.D.W.E.: Lias, du bist für sämtliche Songtexte verantwortlich. Wie kann man sich generell bei euch die Entstehung eines Songs vorstellen. Was ist zuerst da: der Songtext oder die Melodie des Liedes?

Lias Schwarz: Ich schreibe die Songs immer alleine zuhause in meinem stillen Kämmerlein. Dabei ist es immer unterschiedlich was zuerst da ist. Manchmal ein Text oder eine Melodie oder einfach ein Gitarrenriff.


J.D.W.E.: Wie kann man sich einen Lias beim Songwriting vorstellen? Hast du bestimmte Rituale? Manche Künstler "brauchen" ja z.B. ein Gläschen Wein um kreativ zu werden, einen bestimmten Ort an dem sie schreiben o.ä.

Lias Schwarz: Da muss ich leider ganz langweilig antworten: Nein, da gibt es Nichts in dieser Art. Das passiert größtenteils im Arbeitszimmer am PC.


J.D.W.E.: Im Song "Circles" singt ihr: "You wouldn`t understand my fears / They have been chasing me for years"... Welche Ängste plagen euch innerlich am meisten? Was macht euch am meisten Angst?

Lias Schwarz: Der Song handelt tatsächlich nicht von "normalen" Ängsten sondern von irrationalen, krankhaften Ängsten und wie man damit seine Zeit verschwendet.

Vor kurzem plagte mich noch die Angst, dass wir wegen der Pandemie, wenn die komplette Veranstaltungsbranche endgültig am Ende ist, nie wieder auftreten dürfen. Dazu kommt jetzt noch der Krieg in der Ukraine. Ich denke, da müssen wir in eine düstere Zukunft schauen.


J.D.W.E.: Könnt ihr mir etwas über das Konzept des Albums verraten?

Lias Schwarz: Das Album handelt von einem Soldaten, der im Leben gescheitert ist, alles hinter sich gelassen hat und dann dem Ruf nach Waffen folgte.

Wir möchten die Gefahren des heute wieder aufflammenden Nationalismus zeigen. Wir hätten allerdings nicht gedacht, dass dieses Thema zum Zeitpunkt der Veröffentlichung derart aktuell sein wird. Ich persönlich habe tatsächlich vermutet, dass es zu weiteren oder verschlimmerten Konflikten zwischen Ländern kommt, weil immer mehr Populisten und Autokraten an Macht gewinnen. Doch, dass es in Europa derart eskaliert, hätte ich nicht gedacht.


J.D.W.E.: Du nimmst mir die nächste Frage damit schon fast aus dem Mund. Während ihr das Album fertiggestellt habt, hättet ihr euch vermutlich niemals gedacht, welch katastrophale Zustände zum Zeitpunkt des Releases herrschen werden und dass die Thematik eures Albums jetzt noch viel dramatischer wirkt. Wie geht ihr mit den aktuellen Ukraine/Russland-Geschehnissen um?

Lias Schwarz: Genau, wie eben schon beschrieben, hätte ich das in dieser Form nicht vermutet, wenngleich auch alle Zeichen in Europa und der Welt auf Konfrontation standen. Die wirtschaftlichen Schäden von Corona haben auch einiges dazu beigetragen.

Ich versuche mich so gut es geht aus verschiedenen Quellen zu informieren, um auch die Lage für den Rest Europas und der Welt besser einordnen zu können.


J.D.W.E.: Nachdem ich mir all eure Songtexte durchgelesen habe, hatte ich – um ehrlich zu sein – mal einen kleinen Kloß im Hals. Eure Texte haben mich sehr bewegt. Wie viel persönlich Erlebtes verarbeitet ihr mit euren Texten?

Lias Schwarz: Ein Großteil der Texte handelt von persönlich Erlebtem oder Dingen, die mich sehr beschäftigen. Manche Songs, vor allem auf "Marching With The Dead", dienen auch rein dem Storytelling. Doch auch dort versuche ich immer noch etwas von mir mit einzubringen. Auf dem neuen Album wären da besonders "Shell Shock" und "No Man’s Land" zu nennen.


J.D.W.E.: Die Thematik des Todes und des Verlusts tauchen bei euch häufig in Texten auf. Habt ihr selber auch schon euch nahestehende Menschen verloren?

Lias Schwarz: Auf diese Weise zum Glück nicht.


J.D.W.E.: Wie lange habt ihr insgesamt am neuen Album gearbeitet?

Lias Schwarz: Die Arbeiten zu "Marching With The Dead" gingen direkt nach der Veröffentlichung von "Person X [An Unknown Identity]" los und zogen sich bis in den Winter 2022. Also etwas mehr als zwei Jahre.

J.D.W.E.: Ihr veröffentlicht das Album ohne einem großen Label im Rücken auf Eigenregie. Möchtet ihr mit diesem Konzept weitermachen oder liebäugelt ihr damit euch in Zukunft einmal ein Label "zu suchen"?

Lias Schwarz: Aktuell fahren wir so wahrscheinlich am besten. Ich denke nicht, dass wir in absehbarer Zeit auf Labelsuche gehen. Sollte sich aber eine Plattenfirma bei uns melden, sind wir natürlich für alles offen.*lacht*


J.D.W.E.: Mir gefallen auch die Fotos, die ihr zum neuen Album gemacht hat, ausgesprochen gut. Könnt ihr mir etwas über das Shooting erzählen? Seid ihr mit den Bildern ebenfalls zufrieden?

Lias Schwarz: Wir sind verdammt zufrieden und glücklich mit dem Ergebnis. Die Fotos haben wir mit Rich Serra gemacht, den wir schon lange kennen und der auch die Fotos für "The Mean Mile" gemacht hat. Es ist immer ein entspanntes und produktives Arbeiten mit ihm.

Das Makeup hat Kery Lashes gemacht. Damit sind wir auch verdammt happy.

J.D.W.E.: Bitte verratet uns auch mehr über das Artwork des neuen Albums. Wie seid ihr auf diese Idee gekommen und warum findet ihr sie so passend für das neue Album?

Lias Schwarz: Das Artwork bzw das Coverbild stellt bildlich dar, was in den Songs "Marching With The Dead" und "No Man’s Land" beschrieben wird. Der Hintergrund, auf dem sich der Soldat befindet, ist das Niemandsland (engl. "No Man’s Land"). So wurde im ersten Weltkrieg das Gebiet zwischen zwei feindlichen Gräben bezeichnet. In unserer Geschichte ist dies das Jenseits und der Ort, von dem der Protagonist auf die Ereignisse blickt, die ihn dort hingeführt haben.


J.D.W.E.: Plant ihr auch ein offizielles Musikvideo zum Album zu veröffentlichen?

Lias Schwarz: In Kürze wird es ein Lyric-Video zum Song "Blood Red Wine" geben. Darauf dürft ihr schon gespannt sein.


J.D.W.E.: Wie kann man sich bei euch einen Alltag neben der Musik vorstellen?

Lias Schwarz: Wenn ich mal nicht gerade arbeite, versuche ich so viel Zeit wie möglich mit meiner Familie und meinen Freunden zu verbringen. Außerdem bin ich in der Feuerwehr. Die kann auch ganz schön viel Zeit in Anspruch nehmen.

Ein kurzes "Stichwort-Interview" zum Abschluss...

J.D.W.E.: Kaffee oder Tee?

Lias Schwarz: Kaffee: Früher gehörte zu jedem schönen Start in den Tag ein Kaffee und eine Zigarette. Das mit dem Kaffee ist bis heute geblieben.


J.D.W.E.: Bier oder Wein?

Lias Schwarz: Bier: Ich habe irgendeine komische Weinallergie. *lacht*


J.D.W.E.: Hund oder Katze?

Lias Schwarz: Hund… Obwohl ich Katzen auch mag. Leider habe ich beides nicht.


J.D.W.E.: Buch oder Game?

Lias Schwarz: Buch: Ich hasse Computerspiele. Ich versuche privat so wenig Zeit wie möglich mit Computer und Co. zu verbringen.


J.D.W.E.: Berge oder Meer?

Lias Schwarz: Es kommt darauf an, wie viele Menschen sich an dem jeweiligen Ort befinden. Eigentlich mag ich das Meer lieber. Aber es ist schwieriger Stellen zu finden, an denen man seine Ruhe hat.


J.D.W.E.: Auto oder Fahrrad?

Lias Schwarz: Auto: Zum Fahrradfahren fehlt mir leider die Zeit.



Interview: Manuela Ausserhofer


Line-up:

Lias Schwarz - Gesang, Gitarre, Samples

Finch - Bass

Tom - Schlagzeug



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In Kürze findest Du hier auf J.D.W.E. auch noch eine ausführliche Review zu "Marching With The Dead". Bleib dran!



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