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Review: VARTRA - "Basma" (Album)



Dark Folk der Extraklasse aus Serbien


VARTRA nennt sich die düstere Folk-Formation aus Serbien, die bereits 2018 ihr Debütalbum "Luna Nouà" in Belgrad aufgenommen und im Jahr 2020 veröffentlicht haben. Mit "Basma" präsentieren sie ihren zweiten Streich, der am 29.04.2022 über das deutsche Label CPL Records das Licht der Welt erblicken durfte. Aufgenommen wurde das Album im Haus von Musiker und Sänger Siniša Gavrić, der die Band im Jahr 2017 gemeinsam mit den beiden Schwestern Ivana und Aleksandra Stošić gegründet hat. Insgesamt besteht die Band heute aus sieben Mitgliedern und auch ihr musikalisches Repertoire ist mehr als nur vielseitig. Präsentiert wird von Vartra ein einzigartiger Cocktail aus Dark/Neo Folk, Medieval Music, Tribal, Ethereal, Ambient, World Fusion und Doom, dazu gesellen sich mal mehr und mal weniger auch elektronische Elemente.

Das neue Album beinhaltet acht neue Tracks, die sich vor allem mit der Vergangenheit auseinandersetzen. Da die Songtexte in den traditionellen Landessprachen verfasst sind und dadurch für viele nicht verständlich sind, ist es besonders bei diesem spannenden Kollektiv empfehlenswert, wenn man sich zuvor etwas intensiver mit den Inhalten und dargebotenen Themen auseinandersetzt. Die Texte werden in walachischer Sprache, auf Serbisch und Mazedonisch vorgetragen.

Was bedeutet "Basma" und womit haben wir es hier genau zu tun? Im Mittelpunkt dieser Ausnahmeformation stehen stehen uralte südslawische Heilungsrituale, sowie Folk-Traditionen aus Bosnien-Herzegowina und Serbien. Die Songtexte beschäftigen sich mit überlieferten Bräuchen aus diesen Gebieten und der Schwerpunt liegt dabei vor allem auf Beschwörungszauber, die man für Heilungszwecke eingesetzt hat. Der Sound wirkt magisch, hypnotisierend, mittelalterlich und spirituell. Und die eben angesprochenen Beschwörungszauber heißen in der Landessprache "Basma".

Schon beim Opener-Lied "Aina" wird deutlich spürbar, dass sich die Band mit uralten südslawischen Heilungsritualen und Beschwörungszaubern beschäftigt. Lautes, rituell anmutendes Atmen, traditionelle Instrumente und ein hypnotisierender Gesang bricht auf den Hörer nieder und passend zur Thematik der Beschwörungen und Verzauberungen fühlt man sich gleich bei diesem ersten Song wie von einem Sog überwältigt und mitgezogen. Man lauscht den fernen, mythischen Melodien. Man taucht dabei immer tiefer ein in eine Welt, die für viele zwar auf den ersten Blick hin neu erscheint, jedoch schon vom ersten Moment an eine enorme Faszination und Anziehung ausübt.

Weiter geht es mit "Jerovine", einem Lied das deutlich textlastiger ist als der Opener und bei diesem Song wird eine besondere Technik spürbar, die nicht nur bei diesem Track auffällt, sondern sich durchs ganze Album zieht: Die enorme Kraft der Wiederholung. Manche Passagen hört man nicht nur einmal, sondern sie werden etliche Male gesungen und das ist in keinster Weise unbeabsichtigt. Denn in der suggestiven rhythmischen Wiederholung lag in den alten Zeiten eine ganz besondere Kraft. Durch die ständige Wiederholung versuchte man üble Flüche und böse Geister gleichermaßen zu vertreiben.

Besonders betörend und mesmerisierend ist "Sena"; der Song, der zugleich auch als Single auserkoren wurde und zu dem auch ein beeindruckendes Video gedreht wurde. Der Song startet mit zarten Mandolin-Klängen, die eine traumähnliche Atmosphäre aufbauen. Nach und nach wird der Song fordernder, es gesellen sich die vertrauten Trommel-Klänge dazu, bevor ein engelsgleicher Gesang den Track an die Spitze treiben. Ein absoluter Ohrwurm, den man so schnell nicht wieder vergisst. Schau Dir auf jeden Fall auch das tolle Video zu "Sena" an, denn dadurch wird die Magie und Energie noch einmal mehr unterstrichen und zur Vollendung gebracht.

Einer meiner Lieblingssongs von "Basma" ist "Trioka", eines der schnellsten und treibendsten Lieder des Albums. Hier kommen vor allem die authentischen und traditionellen Instrumente perfekt zur Geltung. Die Band spielt auf handgefertigten Trommeln und Rasseln, die von Siniša Gavrić selbst hergestellt werden. Das Lied erinnert an eine spirituelle Zeremonie und die Klänge bohren sich tief in Deinen Körper und Deine Seele und lassen Dich nicht mehr los.

Uns hat "Basma" auf viele Arten überzeugt. Der Sound des Kollektivs ist eigenständig, vielseitig und mehr als nur beeindruckend. Ihre ganz eigene Variante des Dark Folks hypnotisiert und fesselt von der ersten bis zur letzten Minute. Generell sollte man "Basma" als Gesamtkunstwerk sehen und als solches genießen. Direkte Vergleiche zu anderen Bands zu ziehen, ist bei dieser Einzigartigkeit schwierig, aber Fans von Bands wie Heilung, Forndom, Wardruna oder Skáld könnten durchaus ihre Freude mit Vartra haben. Hört auf jeden Fall mal rein, es lohnt sich!

Review: Manuela Ausserhofer

VÖ: 29.04.2022

Label: CPL Music

Tracklist:

  1. Aina

  2. Jerovine

  3. Inanna

  4. Hajd u Kam

  5. Sena

  6. Trioka

  7. Vikriya

  8. Ravno Polje

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