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Review: ANOMALIE - "Tranceformation" (Album)




Eine spirituelle Reise

Auf der einen Seite bleibt Multi-Instrumentalist, Sänger und Songschreiber Marrok – den viele auch als Live-Gitarristen von Label-Kollegen Harakiri For The Sky kennen - sich treu, denn er veröffentlicht das bereits vierte Studioalbum seiner Band Anomalie erneut über AOP Records und erneut setzt er dabei auf Weiterentwicklung. Und diese Weiterentwicklung bricht über uns herein wie eine magische Verwünschung, wie ein tiefgreifender Zauber, mal wunderschön betörend, mal auf eine hypnotisierende Art und Weise gar beängstigend. Lagen seine frühen Wurzeln auf seinem Debüt "Between The Light" (2014) noch im Post-Black-Metal-Bereich entfernt er sich davon immer mehr, was auch schon im Nachfolgewerk "Refugium" spürbar war und er lässt sich immer mehr von der spirituellen Magie treiben. Spätestens bei "Visions" war klar, dass Anomalie eine Band ist, die wächst und reift, wie ein guter Wein.

Das ist auch auf dem neuen Album "Tranceformation" das Programm, denn das Werk hat mit klassischem Post Black Metal nicht mehr viel zu tun. Der Stil siedelt sich vielmehr irgendwo zwischen Black-, Extreme- und Folk-Metal an. Spirituelle Klänge wie Trommeln oder Hörner und ein verstärkter Clean-Gesang machen den Wandel vollkommen. Geräusche aus der Natur dürfen dabei auch nicht fehlen und verleihen dem Werk einen besonders intensiven Charme.

"Tranceformation" präsentiert sich als Konzeptalbum und startet mit der hypnotisierenden Single "Trance I: The Tree", die mit spirituell anmutenden Klängen beginnt und sich mit fordernden Trommeln empor arbeitet bis schlussendlich Marroks cleaner Gesang den Zuhörer willkommen heißt. Schon hier ist spürbar, dass sich einiges seit dem letztem Studioalbum "Visions" verändert hat. Wachstum und Weiterentwicklung stehen bei Marrok an oberster Stelle und Stagnation kennt dieses Multitalent nicht. Viele Black-Metal-Musiker scheuen den Versuch auch cleane Songs zu singen, doch Anomalie setzt bei "Tranceformation" nicht nur beim Opener-Song darauf, sondern zieht diese Neuerung durchs gesamte Album, wobei natürlich auch die härteren Growl-Passagen nicht zu kurz kommen und eins kann man vorweg schon sagen: "Transformation" klingt neu, klingt anders, klingt nach einem Künstler, der das durchzieht, wonach ihm gerade der Sinn steht. "Guide me to the place where I belong..." Der gut verständliche Gesang sorgt dafür, dass man die bis ins kleinste Detail ausgefeilten Lyrics noch besser in sich aufnimmt und nicht mehr so schnell vergessen kann. Startet der erste Song zwar noch etwas gemächlicher, nimmt er ständig an Kraft und Energie zu. Die Riffs werden schneller, die Drums werden härter, der Gesang wird noch eindringlicher und fordernder.

Und genau so grandios wie das Album eröffnet wurde, geht es mit "Trance II: Relics" weiter bei dem Nornagest von Enthroned mit von der Partie ist. Ein Plätschern, ein Mann atmet stark, Raben schreien im Hintergrund und man hört die Klänge eines Horns, das eine bedrohliche Stimmung erzeugt. Plötzlich ein Glockenschlag, das Horn ertönt erneut und die hastige Atmung des Mannes wird lauter und getriebener... Schon das Intro des Songs fesselt den Zuhörer bevor es auf einmal richtig in die Vollen geht. Lukas Schlintl bearbeitet die Drums ohne Gnade und stellt unter Beweis, dass er der perfekte Schlagzeuger an Marroks Seite ist. Dieses Lied ist deutlich härter und schneller als sein Vorgänger und reißt einen vom ersten Moment an mit sich. Der Gesang variiert hier zwischen beschwörenden cleanen Passagen und den altbekannten, schwarzmetallischen Growls, die natürlich auch nicht fehlen dürfen.

Ein weiteres Highlight ist "Trance V: Cerlulean Sun" mit Sakis Tolis von Rotting Christ. Der Song ist wohl der härteste und schnellste des Albums und man spürt wie einen die Dunkelheit umhüllt und gefangen nimmt.

Alle sechs Tracks des neuen Albums wissen zu überzeugen und bilden ein mehr als nur fesselndes Gesamtkonstrukt. Selten hat mich ein Album so bewegt und hypnotisiert wie „Tranceformation“. Werde Teil dieser spirituellen Reise und lass Dich fallen. Werde eins mit der Atmosphäre und werde ein Teil dieses bombastischen Werkes! Eins meiner absoluten Highlights des Jahres!

Review: Manuela Ausserhofer

Label: AOP Records

VÖ: 26. 11. 2021

Track-List:

01. Trance I: The Tree 02. Trance II: Relics 03. Trance III: Alive 04. Trance IV: Nemesis 05. Trance V: Cerulean Sun 06. Trance VI: Eternal Burden

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