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Review: MYSTIGMA - "Gebete" (Album)


Wenn Finsternis & Schönheit verschmelzen

Die deutsche Dark-Rock-Institution MYSTIGMA präsentiert mit "Gebete" ihr mittlerweile sechstes Studioalbum nach dem erfolgreichen Vorgänger "Unter Wölfen" und erneut wird emotionaler und bittersüßer Gothic Rock dargeboten und mit Texten garniert, die dieses Mal mehr denn je unter die Haut gehen.

Das selbstproduzierte und via Timezone Records veröffentlichte Album beinhaltet gleich dreizehn neue Lieder, die mit der Single "Schockraum" eröffnet werden. Hypnotisierende Klänge erstrecken sich bereits in den ersten Sekunden über den Hörer, die sich empor arbeiten und schlussendlich in ihrer vollen Pracht über uns hereinbrechen. Zarte Synthesizer-Klänge verschmelzen plötzlich mit zerrenden Gitarrenriffs von Jörg Bäumer bevor Torsten Bäumers Gesang – klar und perfekt verständlich – das Zepter in die Hand nimmt. "Im Alptraum-Inferno setz ich dein Leben in Flammen..." haucht er uns entgegen und genau so heiß wird auch uns bei diesem grandiosen Opener, der gleich zu Beginn schon unter Beweis stellt, dass diese Band es dieses Mal wirklich wissen will. Sie legen gleich mit einem der härteren Tracks los und reißen damit sämtliche Aufmerksamkeit an sich. Ein Opener so kräftig und energisch wie ein Sturm, der Dich mitzureißen versucht und Dich wie ein Tornado nicht mehr loslässt.

Genauso fesselnd geht es mit dem vermeintlichen Titeltrack "Wie ein Gebet" weiter, der zu Beginn etwas poppiger als sein Vorgänger wirkt. Man fühlt sich paralysiert und von den sauberen, schwarzromantischen Klängen gefangen genommen. Man findet sich in den Texten der Band wieder. Man kann mitfühlen oder besser gesagt mitleiden. Die Songs wirken wie Klagelieder, die die Missstände der heutigen Gesellschaft häufig zum Inhalt haben. Darauf folgt mit "Wenn Gewalt die Stille bricht" eines meiner persönlichen Lieblingslieder von "Gebete". Das etwas langsamere und gefühlvollere Stück geht derart unter die Haut, dass man den Song nicht mehr loslassen kann. Er verankert sich tief in deinen Gehirnwindungen und will Dich nicht mehr verlassen. Ein weiterer Favorit ist "Unter die Haut", das seinen Titel wirklich alle Ehre macht. Der Song ist gefühlvoll und emotional, dabei aber keinesfalls kitschig, sondern elegant und schmerzhaft schön. Bei sechs der dreizehn Lieder wird die Band auch von zarten Damen-Vocals unterstützt und dafür haben sie sich eine wirklich grandiose deutsche Sängerin mit ins Boot geholt. Tina Frank kennen viele sicherlich noch von ihrem Part bei den Oli.-P.-Liedern "Flugzeuge im Bauch" oder auch "I Wish" und dass diese Dame singen kann, steht außer Frage. Als finalen Abschluss geht es noch mal richtig rockig zur Sache und MYSTIGMA präsentieren mit "Sacrificed" die einzige Cover-Nummer des Albums, für die sie sich einen Song von Edge of Sanity ans Herz genommen haben. Weitere Anspieltipps: "Prophet", "Dornenmensch", "Erlösung"... Ach, hier kann man keine Anspieltipps geben, denn man hat es wirklich mit einem rundum gelungenen Dark-Rock-Album zu tun, das definitiv keine Wünsche offen lässt.


Insgesamt betrachtet ist "Gebete" melancholischer, trauriger und emotionaler als sein Vorgänger "Unter Wölfen". Die Stücke sind düsterer, aber dennoch sehr eingängig und manche sind solche Ohrwürmer, dass man sie nicht so schnell wieder vergessen kann. Sollte man meinen, dass die Pandemie ihren Teil dazu beigetragen hat, dann irrt man sich, denn die Stücke sind bereits zuvor entstanden, aber man muss sagen, dass diese Finsternis und zugleich Schönheit, die über all den 13 neuen Liedern liegt, wirklich perfekt gelungen ist.

Text: Manuela Ausserhofer



VÖ: 22.10.2021

Label: Timezone Records


Track-List:

  1. Schockraum

  2. Wie ein Gebet

  3. Wenn Gewalt die Stille bricht

  4. Lebenslänglich

  5. Erlösung

  6. Prophet

  7. Testament

  8. Herzakkord

  9. Unter die Haut

  10. Morpheus

  11. Dornenmensch

  12. Charon

  13. Sacrificed

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