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Review: ZEUG - "Womb" (EP)




Eine quälend schöne Reise in die menschliche Psyche

Das Berliner Drone/Doom-Trio WOMB hat beschlossen nicht einfach ein "normales" Studioalbum zu veröffentlichen, sondern sie nahmen es sich zur Aufgabe eine dreiteilige EP-Serie zu erstellen. Begonnen hat der erste Teil des Trilogie-Zyklus mit "Low", weiter ging es nach einigen Monaten Pandemie mit dem zweiten Part "Grounded" und jetzt – Ende November – soll die Trilogie mit "Womb" ihren Abschluss finden. Somit ist "Low Grounded Womb" geboren.

Was erwartet den Zuhörer auf "Womb"? Jede Menge fesselnde und bedrohlich wirkende Atmosphäre, das ist garantiert! Die Aufnahmen zum zweiten Teil entstanden im kleinen Wasserspeicher, direkt beim Prenzlauer Berg. Dann hat die Pandemie begonnen und das Trio hat die Zeit des Stillstands genutzt und sich ins Berliner Gaswerk zurückgezogen, um an "Womb" zu arbeiten. Aufgenommen wurde der finale EP-Teil schließlich im großen Wasserspeicher, den man sich als Backsteinhöhle inmitten Berlins vorstellen kann. Die natürliche Akustik des Raums wurde für die Aufnahmen genutzt. Die Geräusche, die unmittelbar da waren, wurden nicht wegretouchiert, sondern sind ein bewusster Bestandteil des unverkennbaren Stils der Band. Der Raum gibt den Klang vor, der von der Band als bewusstes Stilmittel eingesetzt wird. Schon faszinierend, wenn man dran denkt, dass andere Bands bei den Aufnahmen gekonnt versuchen einen jeden auch nur so kleinen fremden Ton auszumerzen. Hier ist es genau das, was diese besondere und hypnotisierende Atmosphäre ausmacht.

"Womb" startet mit den beiden Teilen von "Garbino" und präsentiert einen rund 20 minütigen Klangteppich, anfangs getragen von Lorenzo Barbieris Drums. Der Song baut sich nach und nach auf und entfaltet sich durch Benjamin Nashs Gesang, Gitarrenriffs und Synthesizer-Elementen bald zu einer markerschütternden Soundlandschaft. Zerrend, nagend und fordernd wirken die eingesetzten Elemente der Berliner, die völlig authentisch ihr Ding durchziehen. Quälend schön entführt uns das Trio in ihre musikalische Welt, aus der es kein Entkommen gibt.

Es geht weiter mit "Svet", was vom Russischen übersetzt "Licht" bedeutet und dieses – ebenfalls zweiteilige Stück – beginnt etwas ruhiger als sein Vorgänger. ZEUG setzen auf musikalischen Minimalismus und betonen ihren einzigartigen Sound nur durch wenige Text-Fragmente, die die Stimmung und Atmosphäre noch einmal mehr hervorheben. Es beginnt eine Reise in die Psyche, in die menschlichen Sehnsüchte und Abgründe. Nashs Gesang wirkt dabei gar rituell und beschwörend.

Der finale Teil "HazeOver" legt noch mal einen drauf und beginnt wieder deutlich schneller und fordernder. Die Drums haben hier zu Beginn die Oberhand und werden schon bald von Nashs qualvollen Vocals durchzogen, die quälend schmerzvoll dem Hörer entgegenpreschen. Nach rund fünf Minuten werden seine Schreie durch cleane Gesangspassagen abgelöst, die dem Track noch mehr Vielseitigkeit bieten.

"Womb" ist sicher nicht was für Jedermann. "Womb" ist ein Mini-Album, auf das man sich einlassen muss und wenn man das tut, kann man die wahre Schönheit, genauso wie den tiefen Schmerz des Werks unmittelbar spüren und miterleben. "Womb" könnte als Soundtrack für die Menschheit dienen, als Soundtrack eines Horror-Films, als Soundtrack des Alltags, als Soundtrack der Gegenwart, wie sie uns mit ihren finsteren Augen entgegenblickt... Beeindruckend!


Text: Manuela Ausserhofer


VÖ: 26.11.2021

Label: Blood Blast

Track-List:

  1. Garbino Part I

  2. Garbino Part II

  3. Svet Part I

  4. Svet Part II

  5. HazeOver Part I

  6. HazeOver Part II

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